Schnelleinsatzgruppen - Bausteine der Einsatzeinheit

Struktur von Schnelleinsatzgruppen und ihrer Rolle in der Einsatzeinheit
Struktur von Schnelleinsatzgruppen und ihrer Rolle in der Einsatzeinheit

Bereits jenseits des Katastrophenfalls stellen sogenannte Schnelleinsatzgruppen eine wichtige Schnittstelle zwischen dem regulärem Rettungsdienst und dem Katastrophenschutz (KatS) dar. Dies kann zum Beispiel bei einer hohen Auslastung des Rettungsdienstes oder bei Großschadenslagen mit einer großen Anzahl an Verletzten (MANV) der Fall sein.

 

Einzelne SEGn haben eine deutlich kürzere Ausrückzeit als eine komplette Einsatzeinheit (EE), da die verfügbaren Helfer gezielt die benötigten Einsatzmittel besetzen können. Bei den Einsatzmitteln der SEGn handelt es sich überwiegend um Einsatzfahrzeuge des Katastrophenschutzes. Zusätzlich kommen jedoch weitere Fahrzeuge zum Einsatz wie z.B. weitere Rettungswagen oder ein Notarzteinsatzfahrzeug für die Übernahme des Hintergrundrettungsdienstes oder zusätzliche Krankentransportwagen für weitere. Die ehrenamtlichen Helfer der SEGn sind multifunktional in verschiedenen Funktionen einsetzbar. Mitglieder der Führungsgruppen verfügen zudem über eine Ausbildung als OrgL.

Aufteilung der regulär zugeordneten Gebiete der drei Schnelleinsatzgruppen-Verbände bzw. Einsatzzüge
Primäre Versorgungsgebiete der bestehenden Schnelleinsatzgruppen

Die Aufteilung der primären Einsatzgebiete folgt der selben Fünfteilung wie die Einteilung der Rettungsdienstbereiche. Die Aufteilung dient auch hier lediglich der Orientierung und kommt zum Tragen, wenn nur die Unterstützung einer SEG benötigt wird.


Bei Großschadensereignissen (MANV) ist jedoch häufig der Einsatz mehrerer SEGn erforderlich. Sekundäres Versorgungsgebiet aller Schnelleinsatzgruppen ist deshalb der gesamte Landkreis. Auch weicht die Aufteilung dann ab, wenn erforderliche Einheiten bereits in einem anderen Einsatz gebunden sind. Tertiäres Einsatzgebiet ist der gesamte Freistaat bzw. hier im besonderen die benachbarten Landkreise. Darüber hinaus kann auch ein bundesweiter Einsatz erfolgen, wobei hierfür in aller Regel auf komplette Einsatzeinheiten zurückgegriffen wird.

 

Der modulare Aufbau aus Schnelleinsatzgruppen ermöglicht eine zielgerichtete und effiziente Alarmierung. Zudem wird hierdurch die hilfsorganisations- und landkreisübergreifende Zusammenarbeit der Teileinheiten erleichtert. So können beispielsweise bei Evakuierungsmaßnahmen sämtliche Betreuungs-Schnelleinsatzgruppen des Landkreises alarmiert werden. In Kombination können einzelne Gruppen zusätzlich angefordert werden ohne jedoch eine komplette Einsatzeinheit zu alarmieren. Durch die größere Flexibilität kleinerer Teileinheiten, steigt auch die Anzahl möglicher Einsatzszenarien.

 

Die Zusammenarbeit der Schnelleinsatzgruppen des Landkreises untereinander und mit anderen Hilfskräften wird in einer jährlichen Großübung mit wechselnden Einsatzszenarien geübt. Teilweise finden die Übungen gemeinsam mit benachbarten Landkreisen statt.


SEG Führung

Die SEG Führung unterstützt die Einsatzleitung des Rettungsdienstes (OrgL und LNA) durch die Abwicklung des Funkverkehrs, die Registrierung der Helfer, der Einsatzdokumentation sowie der Erstellung einer Lagekarte.

 

Bei fast allen Einsatzszenarien einzelner SEG-Module rückt auch die SEG F zur Lageerkundung aus. Ausgenommen hiervor sind Einsätze der SEG Rettungsdienst im Rahmen des Hintergrundrettungsdienstes.

 

Die Ausrückzeit ab Alarmierung beträgt max. 10 Minuten.

 

Die SEG F besteht aus zwei Führungstrupps (1. und 2. FTr) und verfügt neben einem Einsatzleitwagen 1 (ELW 1) über einen Kommandowagen (KdoW).

SEG Sanität

Eine SEG Sanität (SEG San) unterstützt bei Großschadenslagen den Regelrettungsdienst bei der Behandlung verletzter Personen. 

 

Die SEG besteht aus einem Sanitätstrupp (SanTr) und zwei Sanitäts-Staffeln (SanSt) und verfügt über einen Mannschaftstransportwagen (MTW), einen Gerätewagen Sanität (GW San) und einen Rettungswagen (RTW).

 

Die Ausrückzeit der SEG ab Alarmierung beträgt max. 15 Minuten. Der RTW als zuerst ausrückendes Fahrzeug ist im Regelfall jedoch binnen 5 Minuten einsatzbereit. Als zweites Fahrzeug fährt der GW-San die Einsatzstelle an. Übrige Helfer besetzen schließlich den MTW.

 

Eine SEG San kann eine Patientenablage für die Erstbehandlung von 12-15 Patienten pro Stunde betreiben. Von der Patientenablage erfolgt entweder ein Transport zur Behandlung in eine Klinik oder zu einem Behandlungsplatz.

SEG Transport

Eine SEG Transport (SEG Trp) übernimmt den Transport und die Verlagerung verletzter Personen mithilfe von Krankentransportwagen. Die Ausrückzeit ab Alarmierung beträgt max. 15 Minuten.

 

Eine SEG Trp besteht aus zwei bis vier Transporttrupps und verfügt über Krankentransportwagen (KTW) - darunter i. d. R. Notfall-KTW (KTW Typ B) und Viertragen-KTW (KTW-4). Auch zusätzliche Rettungswagen (RTW) können einer SEG Trp als weiteres Transportmittel zugeordnet sein.

 

Für die Funktion als Transportgruppe des KatS-Einsatzzuges werden drei Transporttrupps benötigt.

SEG Rettungsdienst

Eine SEG Rettungsdienst (SEG RD) ist eine Querschnittsgruppe und nutzt i. d. R. Fahrzeuge von Sanitäts- und Transportgruppe. Zusätzlich können eigene Fahrzeuge vorgehalten werden, die nicht im Katastrophenschutz-Einsatzzug zum Einsatz kommen. Häufig handelt es sich dabei um Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) oder zusätzliche RTW. Prinzipiell stehen der SEG RD auch sämtliche nicht besetzte Einsatzmittel des Regelrettungsdienstes zur Verfügung (Reservefahrzeuge und dienstfreie Fahrzeuge).

 

Die SEG unterstützt den Regelrettungsdienst durch die Übernahme des Hintergrundrettungsdienstes. Dieser umfasst die Aufgaben des Rettungsdienstes, wenn alle regulären Einsatzmittel bereits gebunden sind. Die ehrenamtlichen Rettungskräfte werden bereits im Falle eines hohen Einsatzaufkommens in Einsatzbereitschaft versetzt (Voralarmierung) und erhalten im Einsatzfall Aufträge von der Rettungsleitstelle zugewiesen. Die SEG übernimmt auch bei Brandeinsätzen die RTW-Vorhaltung für die Kollegen der Feuerwehr (Ablösung des Regelrettungsdienstes ab Eintreffen).

 

Die Ausrückzeit der SEG ab Alarmierung beträgt max. 15 Minuten. Ein erster RTW ist im Regelfall jedoch binnen 5 min einsatzbereit. Bei Voralarmierung durch die Rettungsleitstelle kann die Ausrückzeit verkürzt werden, da bereits bei Voralarm ein erster RTW durch Helfer besetzt wird.

SEG Betreuung

Die SEG Betreuung (SEG Bt) fängt Betroffene von Schadensereignissen auf und registriert diese, sammelt sie und führt sie weiteren Hilfsangeboten zu. Sie leitet Betroffene aus Gefahrenbereichen zur Betroffenensammelstelle und organisiert deren Unterbringung in Notunterkünften (Betreuungsstellen). Dort stellt die Betreuungsgruppe die nötige Infrastruktur her und stellt Materialien des täglichen Bedarfs zur Verfügung (z.B. Hygieneartikel, Ersatzkleidung etc). 

 

Die Ausrückzeit ab Alarmierung beträgt max. 20 Minuten.

 

Die SEG Bt besteht aus drei Betreuungstrupps (1. bis 3. BtTr) und verfügt über zwei Betreuungs-Kombis (Bt-Kombis) sowie einen Gerätewagen Betreuung (GW Bt).

 

Die MTW dienen dem Transport der Helfer, können jedoch bei Evakuierungsmaßnahmen auch zum Abtransport unverletzter Personengruppen eingesetzt werden. Im Gerätewagen wird benötigtes Arbeitsmaterial zum Betreiben einer Betreuungsstelle transportiert. Utensilien zum Betreiben einer Betroffenensammelstelle sind in den Betreuungs-MTW vorhanden. Somit kann der 1. BtTr eine Betroffenensammelstelle betreiben während der 2. und der 3. BtTr die Einrichtung einer Betreuungsstelle vornehmen.

SEG Verpflegung

Die SEG Verpflegung (SEG Vpf) übernimmt die Versorgung von Betroffenen und Einsatzkräften mit Lebensmitteln und Getränken. Üblicherweise wird sie nur gemeinsam mit der SEG Betreuung eingesetzt.

 

Die Ausrückzeit der SEG Vpf beträgt max. 30 min.

 

Die SEG Vpf besteht verfügt über einen Gerätewagen Verpflegung (GW Vpf) zum Transport benötigter Utensilien und Lebensmittel, einen Mannschaftstransportwagen und einen Feldkochherd-Anhänger (Anh FKA).

SEG Logistik und Technik

Die SEG Logistik und Technik unterstützt die Einheiten des Sanitäts- oder Betreuungsdienstes mit technischer Ausstattung wie z. B. Stromversorgung, Beleuchtung, Heizungen, Wasserver- und -Entsorgung. Zudem übernimmt sie Logistikaufnahmen wie z.B. die Nachführung benötigten Materials oder weiterer Helfer.

 

Die Ausrückzeit der SEG LuT beträgt max. 45 min.

 

Die SEG LuT besteht aus drei Logistik- und Techniktrupps (LuTTr) und verfügt über einen Gerätewagen Logistik (GW Log), einen Gerätewagen Technik (GW T), einen Mannschaftstransportwagen (MTW) sowie einen Technik-Anhänger (Anh T).

 

Während die Gerätewagen und der Anhänger dem Transport benötigter Technik bzw. dem Herbeiführen von zusätzlichem Material dienen, dient der MTW der Personalnach- und -rückführung. Hierdurch wird bei langwierigen Einsätzen ein Personalaustausch ermöglicht, ohne den taktischen Wert der bereits im Einsatz befindlichen Fahrzeuge zu verlieren. Darüber hinaus ist der MTW als Reservefahrzeug für andere MTW oder Bt-Kombis einsetzbar.

SEG Rettungshundestaffel

Die Rettungshundestaffel wird für den gesamten Landkreis durch den ASB in Dohnsberg gestellt. Die Einheit verfügt über speziell geschulte Rettungshunde die bei der Suche nach Vermissten und Verschütteten helfen.

 

Die Ausrückzeit der Rettungshundestaffel beträgt max. 20 min. Um über eine ausreichende Zahl an Rettungshunden zu verfügen wird die Rettungsleitstelle üblicherweise parallel auch die Rettungshundestaffeln benachbarter Landkreise anfordern.

 

Die SEG RHS verfügt über einen Mannschaftstransportwagen (MTW) mit Hundetransportboxen. Sie besteht aus bis zu fünf Helfern und fünf Rettungshunden.